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Wozu soll Singen gut sein?

© Fraua Kruse-Zaiss, Februar 2008

Wie wäre es, wenn meine Beine nichts vom Springen, Tanzen, Hüpfen, Klettern wüssten und nichts vom Stampfen oder leisen Sohlen, und nichts davon, dass ich mit ihnen auf Berge steigen, im seichten Wasser plantschen oder auf einem Seil balancieren kann? Wie wäre es, wenn all das meine Beine nie erfahren hätten, sondern nur den Gang zum Auto oder zum Briefkasten? Oder meine Stimme - wenn die nur sprechen würde, niemals summen, singen, jubeln, trällern, jauchzen? Wäre das nicht wie ein stummer Vogel, der mit gestutzten Flügeln im viel zu engen Käfig hockt und gar nichts von der Lust am Fliegen weiß?

„Wie stehen Sie als Arzt und Wissenschaftler zu den momentan so vielzitierten populär-wissenschaftlichen Forschungen zum Nutzen des Singens?“ frage ich auf dem 6. Leipziger Symposium zu Kinder- und Jugendstimme Prof. Dr. Michael Fuchs, HNO-Facharzt und Organisator des Symposiums. „Sagen Sie mal ehrlich: Müssen wir als Sänger tatsächlich noch wissenschaftlich beweisen, wie gut das Singen tut!?“ antwortet er mir mit sächsisch-humorvoller Direktheit. Ich nicke zustimmend, denn er muss es schließlich wissen als langjähriger Thomanerchor-Sänger, Lehrbeauftragter für Stimmphysiologie, medizinischer Leiter der Schule für Logopädie, Mitglied der Voice Foundation, Herausgeber der Schriftenreihe „Kinder- und Jugendstimme“, vielseitiger Forscher auf dem Feld der Sing- und Sängerstimme sowie der biopsychosozialen Aspekte der Stimmentwicklung und vielem mehr.

Nein, man muss es mir nicht wissenschaftlich beweisen, ich weiß es auch so. Wahrscheinlich schon vom Mutterleib an.

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